Bétonsalon (Centre d’art et de recherche) Paris – Westfälischer Kunstverein, Münster 2020

Ève Chabanon : Le surplus, vue d’exposition Bétonsalon - Centre d’art et de recherche 2020

© Aurélien Mole

Ausstellung

Bétonsalon (Centre d’art et de recherche) Paris – Westfälischer Kunstverein, Münster 2020

Mélanie Bouteloup, Ève Chabanon, Sophie Cras, Cédric Fauq, Philipp Kleinmichel, Johanna-Yasirra Kluhs, Rosanna Puyol, Kristina Scepanski

Termin

20.03 – 13.09.2020

Ort

Bétonsalon – Centre d’art et de recherche (Paris)
Westfälischer Kunstverein (Münster)
Kunstakademie (Münster)

THE SURPLUS

Bétonsalon – Centre d’art et de recherche, Paris, und der Westfälische Kunstverein, Münster, veranstalten gemeinsam „Le surplus“, die erste Einzelausstellung von Ève Chabanon in Frankreich und Deutschland, begleitet von einem reichhaltigen Veranstaltungsprogramm.

Ève Chabanon beschreibt ihre künstlerische Praxis als „Spekulation über emotionale und praktische Bedürfnisse“ und ihr Projekt „The surplus“ als den Willen, eine „alternative Geschichte von Produktion, Konsum und Fertigung im Exil“ zu schaffen. Diese Verwendung wirtschaftlicher Begriffe spiegelt die Aufmerksamkeit wider, die die Künstlerin den globalen Finanzsystemen und den Machtinstitutionen widmet, die diese legitimieren. Im Wechsel zwischen Individuum und Kollektiv bekräftigt sie, dass das Persönliche politisch ist und dass es dringender denn je ist, Alternativen zu den vorherrschenden und unterdrückenden Systemen zu finden, in denen sich die Bürger*innen bewegen. Dieser wirtschaftliche und existenzielle „Bruch“, den die Künstlerin durch ihre Rolle als Produzentin erlebt, wird durch Poesie und Aktivismus in einen größeren Zusammenhang gestellt.

Im Rahmen der Ausstellungsreihe im Bétonsalon und im Westfälischen Kunstverein wird eine Reihe interdisziplinärer Veranstaltungen organisiert, um gemeinsam mit deutsch-französischen Referent*innen über die Ökonomie in der bildenden Kunst zu diskutieren. Dieses Programm spiegelt die Bedeutung wider, die sowohl für die Künstlerin als auch für die Institutionen, die das Projekt initiieren, Veranstaltungsformaten zukommt, die den Schwerpunkt auf Vermittlung, den Austausch von Ideen sowie kollaborative und generationsübergreifende Prozesse legen. Diese Veranstaltungen sind integraler Bestandteil des Ökosystems der Ausstellung von Ève Chabanon und finden in Anlehnung an die umgebenden Kunstwerke statt.

Ève Chabanon (*1989, Frankreich) lebt und arbeitet in Brüssel. Nach ihrem Abschluss an der Haute École des Arts du Rhin (HEAR) in Straßburg im Jahr 2013 und dem Master „L’art contemporain et son exposition“ an der Sorbonne-Universität im Jahr 2014 nahm sie 2016 an der Open School East in London und Margate teil. Sie nahm 2017 an Residenzen im White House in Dagenham, 2018 am FRAC Grand Large in Dünkirchen und 2019 bei Te Whare Hēra in Wellington, Neuseeland, teil, woraufhin ihre erste Einzelausstellung Eating Each Other.
Für ihr Projekt Anti-Social Social Club: Episode One, The Chamber of the Dispossessed erhielt sie 2018 den Sciences Po-Preis für zeitgenössische Kunst. Ihre Arbeiten wurden 2018 im Rahmen von „La Manutention“, einem Performance-Programm im Palais de Tokyo, sowie in Gruppenausstellungen wie „Les ruses de l’intelligence“ im Parc Saint Léger (2016), „Le centre ne peut tenir“ bei Lafayette Anticipations (2018) und „take (a)back the economy“ im CAC Chanot in Clamart (2019) präsentiert.

29.01.2020 – 30.05.2020: Ausstellung „Ève Chabanon: Le surplus“, Bétonsalon – Centre d’art et de recherche (Paris)
06.03.2020 – 07.03.2020: Übersetzungsworkshop zu „The Undercommons“ von Fred Moten und Stefano Harney, geleitet von Cédric Fauq und Rosanna Puyol, Bétonsalon – Centre d’art et de recherche (Paris)
11.07.2020 – 04.10.2020: Ausstellung „Ève Chabanon: Le surplus“, Westfälischer Kunstverein (Münster)
Online-Konferenz mit Ève Chabanon, Mathilde Belouali-Dejean, Kristina Scepanski, Sophie Cras, Abdulmajeed Haydar, Johanna-Yasirra Kluhs, Ingrid Luquet-Gad und Inès Mesmar.

Weiterführende Informationen:

Im Anschluss an die Präsentation im Bétonsalon in Paris im März wirft die Ausstellung „Chapter 3“ der französischen Künstlerin Ève Chabanon (1989 in Poissy) im Westfälischen Kunstverein ein weiteres Licht auf ihr langfristiges diskursiv-performatives Projekt, das sich mit der wirtschaftlichen Kategorie des „Überschusses“ befasst und das sie 2016 unter dem Titel „Le surplus du non-producteur“ begann. Mit ihrem Konzept des Nicht-Produzenten thematisiert Chabanon die (unproduktive) Arbeit, die nach marxistischer Auffassung keinen Mehrwert schafft. Sie bringt insbesondere Künstlerinnen, (Kunst-)Handwerker*innen und Fachleute zusammen, die infolge einer Migration im Exil leben und Schwierigkeiten haben, ihre künstlerische Praxis auszuüben.

Im folgenden Video gibt die Künstlerin einen Einblick in die Entstehung, die Entwicklung und die Perspektiven des Projekts.

Im Jahr 2016 begann Chabanon, mit „Nicht-Produzenten“ aus dem Großraum Paris zusammenzuarbeiten, mit denen sie eine Art „Denkgenossenschaft“ gründete. Dabei ging es um einen transkulturellen Austausch von Wissen und Kompetenzen sowie um den Aufbau einer Gemeinschaft. Ausgehend von diesem kollaborativen Prozess entwickelte Ève Chabanon eine Installation, die sich in den Raum einfügt, sowie Fragmente eines Videowerks. Die Ausstellung markiert somit einen Schritt zur Seite, eine Pause und eine Bestandsaufnahme dieses ebenso langen wie intensiven Projekts. Das Thema des Wertes der eigenen Arbeit (die häufig immer immaterieller wird) innerhalb der eigenen und/oder fremden Kulturlandschaft bleibt der rote Faden des Projekts.

Die erste institutionelle Einzelausstellung der Künstlerin in Deutschland ist bis zum 4. Oktober 2020 im Westfälischen Kunstverein in Münster zu sehen.

Während der Ausstellung Le Surplus im Bétonsalon in Paris lud der Kurator Cédriq Fauq Rosanna Puyol vom Verlag Brook ein, gemeinsam einen kollektiven Übersetzungsworkshop zu leiten. Ausgangspunkt war ein Auszug aus Kapitel 6 des Buches „The Undercommons: Fugitive Planning & Black Study“ von Fred Moten und Stefano Harney, das 2016 bei Transversal Texts auf Deutsch erschienen ist. Der Workshop stieß auf großes Interesse und zog sowohl ein regelmäßiges Publikum als auch Neugierige aller Altersgruppen an.