If words are to be sounded ist ein Projekt von CAP Saint-Fons, GAK Bremen und Le 19, Crac, Montbéliard, in dem wir Sprache als sozialen Vertrag und performatives Medium der Imagination untersuchen. Es besteht aus einer gemeinsamen Ausstellung, die in allen drei Institutionen gezeigt wird, sowie Einladungen an die lokalen Öffentlichkeiten, sich vertieft mit diesen Themen zu beschäftigen.
If words are to be sounded ist über die letzten anderthalb Jahre durch einen engen Austausch zwischen unseren drei französisch-deutschen Institutionen entstanden: CAP, GAK und Le 19. Dieser Austausch fand statt vor dem Hintergrund des zunehmenden und sich verstärkenden Drucks sowie der Spaltungen, in die Sprachen gezwungen werden. Deshalb haben wir uns entschieden, ein Projekt über den Wert und die Werte von Worten zu machen, in denen Wort, Verkörperung und Imagination oft unbewusst miteinander verflochten sind. Indem wir diese Verbindungen sichtbar machen, wollen wir untersuchen, welche Möglichkeiten entstehen, wenn diese Aspekte (wieder) zusammen betrachtet werden.
Ausgangspunkt unseres Projekts war das gemeinsame Lesen von den eklektischen und poetischen Texten der koreanisch-amerikanischen Künstlerin Theresa Hak Kyung Cha. Entsprechend zeigen wir in der Ausstellung eine kleine Auswahl ihrer Videos, Dokumentationen, Skizzen und Textcollagen. Cha navigiert Erinnerung und Verlust in einer fortwährenden Verstrickung von Worten, Sprachen, Punktuation und Tönen, um Wert und Bedeutung zu erfassen, zu verschieben und zurückzuholen. Diese Leihgaben aus Cha’s Nachlass begreifen wir als Einladung und Szenografie, während wir mit Pierre Allain, Claire Fontaine, Shadi Harouni und Mira Mann Arbeiten entwickeln, die im Verlauf des Projekts und die drei Orte verbindend die Materialität und Wert/e von Sprache untersuchen:
Der französische Künstler Pierre Allain beschäftigt sich mit der Abstraktion und vermeintlichen Neutralität, mit der sich Sprache in Materialien und Gegenständen niederschlägt. In einer neuen, sich mit den Ausstellungen entwickelnden Arbeit verknüpft Allain sichtbare und unsichtbare, ausgesprochene und unausgesprochene Schichten der drei Kontexte miteinander. Das 2004 in Paris gegründete Duo Claire Fontaine löst Symbole und Codes aus ihren Zusammenhängen, um deren politische und soziale Dimension zu hinterfragen. Claire Fontaine bringen bestehende und neue Arbeiten zusammen, in denen sie Worte und ihre allzu einfache Konsumierbarkeit in einem digitalisierten und mediatisierten sozialen Gefüge herausfordern. Die kurdisch-iranische Künstlerin Shadi Harouni beschäftigt sich in ihren Installationen, Fotografien und Videos mit dem Widerstand in Kurdistan. Für if words are to be sounded werden mehrere Werke präsentiert, die sich mit der kurdischen Sprache befassen, darunter insbesondere ein historisches Kinderbuch zum Erlernen der kurdischen Sprache, das unmittelbar nach seiner Veröffentlichung verboten wurde. Die in dem Buch verwendeten Bilder und Worte sind Teil einer pädagogischen und politischen Protestbewegung. Die deutsche Künstler:in Mira Mann schafft fiktive Räume, in denen die Erzählung ein Mittel zur Visualisierung sozialer Strukturen, des kollektiven Gedächtnisses oder auch von Fragen der Identität und ihrer Darstellung ist. Für die Ausstellung präsentiert Mann eine Videoinstallation mit Zeichnungen, die die Geschichte des Pansori – einer im 17. Jahrhundert in Korea entstandenen Form der musikalischen Erzählung – mit den Erinnerungen der eigenen Mutter verknüpft.
Diese Werke stehen auf jeweils eigene Weise in Beziehung zu Chas Zergliederung der koreanischen, englischen, französischen und deutschen Sprache. Sie nähern sich Erinnerungen, Unausgesprochenem oder Vergessenem über Methoden und Verfahren der Übersetzung und untersuchen Sprache als sozialen Vertrag und performatives Werkzeug für Imagination. Entsprechend betrachten wir Chas Werk als Bindeglied und roten Faden zwischen den drei Ausstellungsorten und einer Konstellation von Künstler:innen, die es in unserem aktuellen Kontext aktivieren.
Das CAP in Saint Fons, die GAK in Bremen und Le 19, Crac in Montbéliard verfolgen einen ähnlichen kuratorischen Ansatz, obwohl sie in unterschiedlichen Kontexten agieren und in vielerlei Hinsicht auch unterschiedliche Sprachen sprechen. Was die drei Städte verbindet, ist ihre postindustrielle Transformation und die Vielfalt ihrer Bewohner:innen. if words are to be sounded ist daher bewusst als fortlaufende Co-Kuration konzipiert, die sich dem Versuch widmet, eine gemeinsame Sprache zu entwickeln, und die Möglichkeit erkunden will, diese Sprache als Nähe, als Dialog zwischen weit voneinander entfernten Perspektiven und Kontexten zu verkörpern.
Annette Hans, Adeline Lépine, Alessandra Prandin
Termine CAP • Centre d’art de Saint-Fons) : Vom 23.05.26 bis 10.08.26 und Le 19, Crac de Montbéliard : Vom 12.02.27 bis 09.05.27
Termine GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen : Vom 26.09.26 au 10.01.27