Proximité(s)/Nähe ist eine Workshop-Reihe, die darauf abzielt, einen Dialog zwischen Frankreich (Stadtteil Cité Jardin in Lyon) und Deutschland (Stadtteil Neukölln in Berlin) zu schaffen. Ziel dieses deutsch-französischen Dialogs ist es, einen Prozess der Beobachtung und des Experimentierens hinsichtlich der vermeintlichen Entstehung eines neuen gemeinsamen europäischen Publikums anzustoßen.
Wir wollen nicht nach Gemeinsamkeiten oder anderen Berührungspunkten zwischen Frankreich und Deutschland innerhalb ihrer jeweiligen Kunst- und Kulturzentren suchen. Vielmehr möchten wir uns auf die Erkundung von Stadtvierteln am Rande der urbanen Zentren konzentrieren, in denen Menschen mit geringem Einkommen leben, die die Arbeiterklasse dieser Städte bilden (auf Französisch „banlieue“), bewohnt von Menschen, die durch ihre Geschichte mit verschiedenen Migrationswellen verbunden sind und auf beiden Seiten der Grenze Gemeinsamkeiten in ihrem Alltag teilen.
In gemeinsamen, gemeinsam konzipierten Workshops werden wir uns fragen, ob diese Situation in den Vororten ein Fenster zur Zukunft Europas insgesamt sein und einen Raum bieten könnte, um eine Reihe künftiger Bedürfnisse zu antizipieren. Gemeinsam mit den eingeladenen Künstlerinnen, lokalen Akteuren und den Bewohnerinnen der Stadtteile werden wir versuchen, folgende Fragen zu beantworten: Wie kann künstlerisches Schaffen im vorstädtischen Kontext zu Fürsorge und Heilung beitragen? Ist es möglich, durch ästhetische Arbeit vorübergehende Gemeinschaften zu fördern und den Menschen dabei zu helfen, aus ihrer Isolation und ihrem Gefühl der Ohnmacht herauszukommen, um die gemeinsame körperliche Erfahrung echter Solidarität zu erleben? Können wir dazu beitragen, den Bewohnerinnen und lokalen Akteurinnen das Handlungsgefühl zurückzugeben, das sie möglicherweise aufgrund neoliberaler Ausgrenzungsmechanismen und sozialer, kultureller Stigmatisierungen verloren haben? Können wir dazu beitragen, dieses Gefühl zu stärken, wenn das Handeln bereits vorhanden ist?
Diese gemeinsamen Erfahrungen werden in einer Publikation münden, einer Sammlung der Äußerungen, Gedanken und Wünsche aller Beteiligten während des gesamten Prozesses.
Veduta wurde 2007 ins Leben gerufen und ist eine Plattform der Biennale für zeitgenössische Kunst in Lyon. Seit ihrer Gründung erkundet Veduta die Möglichkeiten, die sich durch die Einbindung neugieriger Experimentierfreudiger in eine Dynamik der gemeinsamen Gestaltung künstlerischer und kultureller Projekte ergeben. Die Aktionen von Veduta, die von Anfang an in den Rahmen der Stadtpolitik eingebettet waren, haben vor allem zum Ziel, das Zusammenleben, den sozialen Zusammenhalt, die Vielfalt und die Einbindung jedes Teilnehmers und jeder Teilnehmerin in eine bürgerschaftliche Dynamik auf der Ebene ihres Stadtviertels, ihrer Stadt und der Metropole zu fördern – all dies ausgehend von der sinnlichen Erfahrung der Kunst.
„How To: The Flow of Spirit“ ist ein Projektraum, der seinen Aktions- und Interventionsrahmen außerhalb der traditionellen Logik der „vier Wände“ einer Institution definiert. „How To“ wird seit 2018 von Oliver Bulas und Annette Hans konzipiert.
Programm
04.2021 – 05.2021: Start des Projekts mit ersten Dialogen und Begegnungen, online
07.2021 – 09.2021: Workshops, organisiert von deutsch-französischen Duos, High-Deck Siedlung Neukölln (Berlin) und Cité Jardin, Gerland (Lyon)
07.2021 – 10.2021: Sammlung und Aufbereitung von Inhalten und Reflexionen rund um die Workshops
11.2021: Podiumsdiskussion mit allen Teilnehmenden und Erstellung der Publikation
Partner
Mutuelle générale de l’Éducation nationale, Stadt Lyon im Rahmen der kulturellen Zusammenarbeit und der Stadtpolitik, Commissariat à l’Egalité des Territoires im Rahmen der Ausschreibung „Quartiers Solidaires“, Direction des Affaires Culturelles Auvergne – Rhône-Alpes, Métropole de Lyon, Region Auvergne – Rhône-Alpes