Fragment #2: Pol Taburet

Fragment #2: Pol Taburet

Pol Taburet ist ein Künstler, der in seinen Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und Installationen geheimnisvolle Geschichten erzählt, als handele es sich um Theaterstücke. Visuelle Erinnerungen an die Karibik treffen auf Popkultur und Bezüge zum Kanon der europäischen Kunstgeschichte. Er lässt sich von Künstlern wie Arnold Böcklin und Edvard Munch inspirieren, aber auch von heiligen Erinnerungen, Trap-Musik und Fernsehserien seiner Jugend, darunter South Park und Die Simpsons. Taburet kombiniert traditionelle Techniken mit Airbrush, um die schattierten Körper seiner verzerrten Figuren zu schaffen. Seine unkonventionellen Erzählungen spiegeln oft seine eigene Biografie wider und oszillieren zwischen persönlicher Entwicklung, Bedrohung und Theatralik.

Im Jahr 2026 unterstützte das Bureau des arts visuels seine Teilnahme sowie die der beiden anderen Finalisten Tohé Commaret und Sarah-Anais Desbenoit am Dorothea-von-Stetten-Preis 2026, der seit 1984 alle zwei Jahre im Kunstmuseum Bonn verliehen wird und sich seit 2014 an junge Künstler*innen aus den Nachbarländern Deutschlands richtet. Um die Sichtbarkeit der Künstler zu stärken, wird der Preis von einer Ausstellung im Kunstmuseum Bonn und einem Katalog begleitet.

Wie würdest du dein visuelles Universum in drei Worten beschreiben?

Streng, melancholisch, exaltiert.

Welchen Stellenwert haben kulturelle Bezüge (historische, populäre, karibische…) in deiner Arbeit?

Sie prägen mich, sie führen mich zurück zur Mutterschaft – zu meiner Mutter und zu ihrer Mutter.

Diese Geschichten sind zum Teil die Wurzeln dessen, was ich bin. Manchmal sind sie gelebt und weitergegeben, sie sind geliehene Erinnerungen; andere wiederum entspringen der Fantasie oder sind Erfindungen.

Wie hast du diese Ausstellung im Kunstmuseum Bonn konzipiert?

Ich habe diese Ausstellung als einen halluzinierten Spaziergang durch eine Wohnung konzipiert, in der vertraute Formen zusammenbrechen und so Chimären des Alltags entstehen. Ich wollte, dass man die Spannung zwischen Körper und Objekt spürt und die Verbindung, die sich in ihrer Gegenwart bildet.

Ich wollte, dass man einen Moment der Umkehrung, der Verwandlung erlebt, in dem die statischen Körper plötzlich mit einem zu vibrieren beginnen. In dem Ängste entweichen und sich in Werken materialisieren, wodurch ein vertrauter, aber leicht feindseliger Raum entsteht.

Dies ist deine zweite Ausstellung in Deutschland nach deiner Einzelausstellung im Schinkel-Pavillon in Berlin im Jahr 2025. Was bedeutet es für dich, deine Arbeiten heute in Deutschland zu zeigen?

Deutschland ist für mich keine Kulisse, sondern eher ein Raum der Resonanz. Es gibt etwas sehr Konstruiertes in der Art und Weise, wie Geschichte, Erinnerung und Formen hier koexistieren, und es interessiert mich, meine Arbeit dort zu verorten.

Ich komme nicht dorthin, um mich vollständig anzupassen, sondern um eine leichte, fast unmerkliche Verschiebung zu erzeugen. Meine Werke versuchen, mit diesem Rahmen in einen Dialog zu treten, eine Schwingung einzubringen, eine Art diskrete Unruhe.

Nach dem Schinkel-Pavillon kehre ich mit einem feineren Blick dafür zurück, was dieser Kontext hervorbringen kann. Eine sanfte, zurückhaltende, aber durchaus spürbare Spannung. In diesem Zwischenraum bewege ich mich.